Stromer

Erfahrungsbericht Teil 1 (5.8.13)

Nach 52 km ist der Akku nun auf 22% Restkapazität leer gelutscht,  obwohl ich nur im Modus 1 gefahren bin. Dies scheint mir (leider) genau  im Bereich der üblichen Werte zu liegen. Jetzt hängt das Rad (der  eingebaute Akku) erstmals am Ladegerät und darf sich die nächsten  Stunden recuperieren.

Habe beim Einstellen gewisser Parameter gesehen, dass die Tretunterstützung offensichtlich bis 37 km/h (vor)eingestellt war. Wohl daher fiel es mir rel. leicht, auch noch 33, 34 km/h zu radeln. Ein Rennradfahrer konnte  es heute neben mir kaum glauben, wie locker ich angefahren und mit hohem Tempo gefahren bin. Da musste er sich schon ganz schön bemühen, hat es  aber geschafft, bis ich ihn aufgeklärt habe, dass ich mit  Tretunterstützung fahre.

Ein Beinahezusammenstoß mit einem links blinkenden, dafür aber rechts  abbiegenden Cayenne hat mir soeben bewusst gemacht, dass es gut ist, Bremsen zu haben, die für das Gewicht und die Geschwindigkeit ausgelegt sind.

Unangenehm ist mir eine Art Schleifgeräusch aufgefallen, wenn man sich nur rollen lässt, also weder in die Pedale tritt, noch den  Recuperier-Mode gewählt hat. So als seien die Lager im Hinterrad völlig  trocken gelaufen. Bin gespannt, ob sich das noch gibt.

Außerdem scheint die Lichtanlage nur so zu sein, dass das Vorderlicht mit Standlicht ausgestattet ist, das Rücklicht hingegen nicht. Ob das Absicht war? Ich werde den Händler zu gegebener Zeit auch diesbezüglich kontaktieren.

Erfahrungsbericht Teil 2 (3.9.13)

Meine ersten Erfahrungen laufen ja immer noch. Das Kratz- und  Schabgeräusch von der Hinterradnabe ist vom Techniker per ”Ferndiagnose” durchs Telefon eindeutig identifiziert worden. ”Dann tauschen wir die  Kassette”, was immer auch das heißen mag. Das 2013er-Modell scheint  diesbezüglich einen bekannten Fehler zu haben. Mal sehen, wenn ich diese Tage zum Tausch in den Laden komme, dann soll der Techniker sich das  mal live anhören und probefahren.

Andererseits fährt es sich weiterhin - abgesehen von diesem wirklich lauten Schabgeräusch beim Leerlauf - bestens. Die Akkureichweite ist  (hier im Flachland) bei nunmehr 100 km angekommen, wobei immer noch 15%  Restkapazität drin stecken. Allerdings habe ich die Unterstützung auch  auf 30% reduziert und fahre ausschließlich im Modus 1, d.h. mit geringst möglicher Unterstützung.

Was ich nicht geschafft habe, ist die Beleuchtung (oder ist es nur ein  Nachleuchten?) des Bedienpanels abzuschalten bzw. abzudunkeln. Dazu sollte  man lt. meiner Doku eigentlich für 2 sec. den Minus-Knopf drücken. Passiert  aber nichts.
Leider ist das mit den Codeziffern auch etwas kryptisch, so ähnlich wie  früher einmal bei Siemens DECT-Telefonen. Das geht heutzutage definitiv ansprechender.

Erfahrungsbericht Teil 3 (24.11.13)

Inzwischen wird der Stromer wie ein normales Fahrrad genutzt, also auch mal in der City abgestellt, natürlich mit dem schweren Faltschloss von Trelock gesichert. Beim Alltagsgebrauch fällt auf, dass sich das Rad nicht so  locker elegant und sicher durch enge Gassen und Kurven lenken lässt wie  ein 26” MTB, da das Eigengewicht und meine recht hohe Sitzposition doch  für ein schwammiges Fahrgefühl sorgen. Man eiert um Kurven,  sobald nasses Laub auf den Straßen liegt, das hat mein altes Standardrad nicht getan. Hinzu kommen die wirklich bissigen Bremsen, zumal ich nach Hinweis durch den Techniker, die Recuperation per Hinterradbremse nicht zu nutzen, durchaus auch regen Gebrauch von der Vorderradbremse mache.  So richtig dosierfreudig finde ich die Teile nicht. Das Rad (oder sind  es die Ballonreifen?) rutscht bei der kleinsten Möglichkeit.

So ist es passiert, dass ich bei einer Vollbremsung aus nur ca.  20 km/h auf nassem Kopfsteinpflaster gleich heftig gestürzt bin, um nur  nicht mit dem Auto zu kollidieren, das mich übersehen hat. Ich würde  sagen, mit meinem alten Rad hätte ich die Situation souveräner  gemeistert. Immerhin hat der Stromer diesen Schlag ohne Blessuren  davongetragen! Keine Schramme, kein Schaden. Das klingt wirklich gut!

Ebenfalls aus der Praxis hat sich der Gepäckträger, naja das  schwarze Gestell hinterm Sattel überm Hinterrad als absolut untauglich  erwiesen, meine gute alte Ortlieb-Fahrradtasche zu transportieren. Die  beiden Clips an der Tasche sind zu weit auseinander und lassen sich  nicht vernünftig platzieren, um auf dem Gestell zu greifen und  gleichzeitig genügend Freiheit an der Tretkurbel zu lassen. Hier hätten 5 cm mehr in Längsrichtung wahre Wunder vollbracht. Aber wahrscheinlich  darf man solch ein schickes Rad (und das ist der Stromer zweifelsohne)  nicht durch Anhängen einer Ortlieb-Tasche in der Optik verhunzen. Da ich ja nicht mehr ins Schwitzen komme beim Radeln, habe ich mir wieder  angewöhnt, einen Rucksack zu tragen, ist auch gut so.

Die Akkulaufzeit lag noch im September/Oktober bei locker 110  km, inzwischen bei deutlich niedrigeren Temperaturen, hänge ich die  verbliebenen 2 Teilstriche nach 100 km ans Ladegerät. Durch irgendeine  Aktion habe ich dabei das Bedienpanel (womöglich sogar das ganze Rad) in einen lock mode versetzt, der durch Eingabe eines Codes wieder  freigeschaltet werden wollte. Da hab ich aber gegrübelt, um so etwas zu  finden. Der Anleitung sei Dank, dass ich einen passenden Code gefunden  habe und nun wieder alles wie vorher ist.

Was ich auch mal lobend hervorheben möchte, ist die Ausleuchtung des Fahrweges. Die Vorderradlampe sieht ja nicht gerade stylisch aus (um nicht zu sagen, es ist ein  potthässliches Teil), aber die Lichtausbeute ist schon phänomenal. Da  fahre ich inzwischen sogar bei leichter Dämmerung mit Licht, ganz  entgegen meinen früheren Gepflogenheiten. Der Beinaheunfall mit dem  dusseligen Autofahrer hat ja gezeigt, dass das auch nicht hilft (wobei  ich hier weder Stromer noch einem Pedelec generell die Schuld geben  möchte).

Erfahrungsbericht Teil 4 (27.03.14)

Die Wintersaison ist praktisch beendet. Nur 3 Fahrten fanden bei Matsch statt, sodass das Rad intensiv mit Salzwasser in Kontakt kam. Leider haben die Scheibenbremsen mit sehr unangenehmem Quietschen auf diese Art von “Dusche” reagiert. Erst nach etlichen Bremsvorgängen, die die Scheibe weitestgehend trockneten, war das grässliche Quietschen beseitigt. Mit einem Putzlappen habe ich das Rad dann von den Winterspuren befreit. Bei den Bremsen bleibt allerdings ein intensives Schab- und Kratzgeräusch, ohne dass Spuren auf den Scheiben zu sehen wären. Der Techniker meint, dies kommt von verglasten Bremsbelägen, die entstehen, wenn man zu zaghaft bremst, wodurch sich der Belag stark erhitzt und quasi schmilzt. Naja, tröstlich wenn die Alternative zu diesem vorsichtigen Bremsen eine Vollbremsung mit blockierenden Rädern ist.

Eine Rückrufaktion des Herstellers wegen einer gebrochenen Karbongabel (in der Schweiz) hatte das Rad im Dezember (oder war es doch schon Januar?) für 2 Wochen außer Betrieb gesetzt. Ergebnis im Endeffekt: Meine Gabel gehört nicht zu der Serie, die ausgetauscht werden muss. Dafür wurde ein letztes Mal die Schaltkassette ausgetauscht, nun auf die aktuelle Version, die Stromer bei allen Rädern wieder verbaut. Hat inzwischen auch seine 300 km weg und klackert nicht.

Die Akkureichweite liegt übrigens immer noch bei gut 100 km, wobei der Winter allerdings sehr milde ausfällt. 1x musste ich allerdings bei geplanten 20 km und noch 3 Einheiten auf der Reichweiteskala feststellen, dass der letzte Balken keine echte Einheit mehr bedeutet. Kaum wurde der vorletzte Balken an Strom verbraucht, schaltete sich die gesamte Elektronik ab und ich durfte das Rad mal wie ein normales Rad bewegen. Geht ja auch, musste ich feststellen.

Erfahrungsbericht Teil 5 (04.08.14)

Der Sommer ist in vollem Gange. Praktisch täglich muss sich das Rad mit knapp 20 km Arbeitsweg befassen. Dabei lass ich es bewusst ruhig angehen und gleite eher mit 27 km/h als dass ich mir Rennen leiste. Insofern freut mich, dass die Akkureichweite locker bei 100 km liegt. Der Gesamt-Kilometerstand liegt bei knapp 3000 km.

Unangenehm fällt auf, dass es an allen beweglichen Teilen quietscht und knarzt. Die Karbongabel macht bei statischer Scherkrafteinwirkung deutliche Geräusche, die auf Verschleiß deuten lassen, wobei äußerlich natürlich nichts sichtbar ist. Der Sattel hat sich gelöst und rutschte dabei spürbar vor und zurück, ließ sich aber einfach mit einem Imbus-Schlüssel befestigen. Als angenehm und zuverlässig haben sich inzwischen die Schwalbe Marathon Reifen erwiesen. Zwar ist das Volumen nicht wirklich praktisch, da Spritzwasser am Schutzblech vorbeispritzt und in schnell gefahrenen Kurven der Grip zum Untergrund verlorengeht, allerdings ist von Abnutzung nun wirklich nichts zu sehen. Einige Glasscherben haben sich hörbar überrollen lassen, jedoch keine weiteren Spuren hinterlassen.

An die Bremsen habe ich mich inzwischen gewöhnt, von “Bissgkeit” kann gar keine Rede mehr sein. Im Gegenteil, ich finde sie deutlich zu “weich”, d.h., man muss den Bremshebel relativ weit anziehen, um volle Bremswirkung zu erhalten. Kann man sicherlich einstellen, wenn man weiß, wie man das macht. Das unangenehme Schabgeräusch habe ich mit einem Spritzer Kettenöl auf die Bremszange beseitigt. Kurz nach dieser Maßnahme fangen die Bremsen an zu quietschen wie im nassen Zustand. Hinzu kommt, dass die Scheiben nunmehr nciht wirklich griffig sind. Nach etwas Eingewöhnung habe ich aber auch das in den Griff bekommen. Nun bremst es sich ohne Nebengeräusche.

Eine ganz blöde Sache ist das mit der Kette: Von einem anderen Stromer-Fahrer habe ich es öfter gehört und nun 2x selbst erlebt, dass die Kette beim Überfahren von Straßenbahnschienen (und davon haben wir in Bremen ja einige) einfach abspringt vom Kettenrad. Zum Glück lässt sie sich sehr einfach wieder einhängen und mit einer Rückwärtsdrehung der Pedalen wieder aufziehen, aber leider kriegt man dabei dreckige Finger. Und als Ausweg fällt mir bis dato nur ein, die Kette beim Überfahren solcher “Hindernisse” stramm zu halten, indem ich mit leichter Kraft trete. Aber kann es das sein?

Last modified: 24.09.2017