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Mein (öffentliches) Tauchlogbuch

Bei einer schnellen Recherche bin ich Ende 2013 auf folgende Website aufmerksam geworden, in der man nach unkompliziertem Login sein Logbuch uploaden kann. Bisher führe ich mein Logbuch analog sowie nach Datenimport aus meinem Suunto Gekko Tauchcomputer auch im Suunto Dive Manager. Nun also finden sich meine geloggten Tauchdaten auch auf divelogs.de. Da der Gekko Ende 2015 ausfiel, habe ich nun einen Mares Nemo Wide 2 erworben, der ebenfalls mit dem PC und divelogs synchronisiert werden kann. Der nächste Tauchurlaub steht jedoch erst im Herbst 2016 an.

Nullzeit

Copyright-Hinweis

Dieser Artikel wurde ursprünglich geschrieben von Matthias Frey und ist im Original zu finden unter www.no-bubbles.de. Wenn also im Artikel “ich” steht, dann meint dies den Originalautor. Ich, also Carsten, habe mir erlaubt, den Artikel einer Rechtschreibkontrolle zu unterziehen, weshalb es hier und da zu Abweichungen zwischen dieser Fassung und dem Original kommen kann.

Abkürzungen

Deko = Dekompression; kommt einfach aus der Art wie wir alle mit Gerät tauchen.
DCS = Decompression Sickness, Dekompressionskrankheit; Bildung von Gasbläschen in Blut und Gewebe während der Auftauchphase
RDP = Recreational Dive Planner; im Wesentlichen von PADI unterstütztes Modell zur Planung von (Nullzeit)-Tauchgängen (mit Pressluft) für Sporttaucher, keinesfalls zur Planung von Dekompressionstauchgängen.
TG = Tauchgang
WT = Wassertiefe

Wir können das nur, weil unser Körper die Eigenschaft hat, die in Geweben gelösten Gase mit einer gewissen Toleranz in Lösung zu halten. Jedes Mal, wenn ein (auch noch so kleiner) Abstieg in größere Druckbereiche erfolgt, löst sich mehr und mehr von dem Atemgas in unseren Geweben. Wie gut sich das Gas in den Geweben löst, ist dabei unterschiedlich - und die Effekte, die diese gelösten Gase auf unsere Körper haben auch. Ab gewissen - von Individuum zu Individuum unterschiedlichen Grenzen - haben dann auch diese Gase unterschiedlich schädigende Einflüsse.

Das Problem liegt nun aber nicht im Abtauchen - denn beim Abtauchen lösen sich einfach vermehrt diese Gase im Gewebe - die dann natürlich, irgendwann auch mal anfangen ihre jeweiligen Wirkungen zu entfalten. N2 wirkt dann narkotisierend, O2 bewirkt Krämpfe, CO2 bewirkt Blackouts. Aber wie gesagt - individuell unterschiedlich, also in einer Bandbreite und neben Disposition auch von Training und Psyche abhängig. Auch edle Gase, wie z.B. Helium haben ihre Wirkung die unter Druck zunimmt.

Das Problem liegt in der Auftauchphase, also dort, wo der Taucher den Druck verringert. Denn in dieser Phase wird der Effekt umgekehrt und die gelösten Gase wollen wieder aus der Lösung ausperlen - und können eben durch "Blasenbildung" Embolien und Schlimmeres - subsummiert unter dem Synonym DCS - hervorrufen.

Würde der Körper nun das Gas genau so wieder aus der Lösung entlassen, wie er es aufnimmt, dann könnten wir alle wohl nicht mit den heutigen Geräten tauchen, denn wir bekämen alle Gasembolien!

Zum Glück - und aufgrund einer Laune der Natur - ist hier aber eine Hysterese eingebaut. Der Körper gibt das Gas nicht genauso ab, wie er es aufnimmt. Er hält es in Lösung, und zwar etwa so lange, bis man auf den halben Umgebungsdruck aufgestiegen ist (Haldane).

Das bedeutet, dass man ausgehend vom normalen atmosphärischen Druck von etwa 1 bar (auf Meereshöhe) im Prinzip auf knapp etwa 10 m WT abtauchen kann - dort "unendlich" lange verweilen kann, und dann ohne Symptome an die Oberfläche zurückkehren kann, weil der Körper das unter dem doppelten Druck (2 bar) gelöste Gas auch bei Atmosphärendruck immer noch in Lösung hält. Praktisch ist das aber knapp kalkuliert, und einige wenige haben auch schon bei TGs in diesem "sicheren" Bereich DCS bekommen! Populationen unterliegen halt Streuungen - und manche Individuen weichen sehr stark vom Mittelwert ab.

Nullzeit ist die Zeit, in der man gefahrlos ohne Dekompression auftauchen kann - so oder so ähnlich ist sie definiert. Genau genommen kann man dies aber nur bei TGs, die nie tiefer als eben diese 10 m waren - bei allen anderen TGs taucht man ja auf einen geringeren als den halben Druck auf, wenn man an die Oberfläche zurückkehrt!

Ein TG auf 20 m hat etwa 3 bar - und man kann i.d.R. ohne Probleme auf etwa 1,5 bar - also 5 m - zurück - geht man weiter zurück, also etwa an die Oberfläche (1 bar) - dann kann der Körper das Gas nicht mehr in Lösung halten und es perlt aus. Hier hat man also ein Dekompressionsproblem. Jeder von uns hat das. Anders ausgedrückt: Würde man aus einer Tiefe vom 20 m (3 bar) praktisch ohne Verzögerung an die Oberfläche zurückkehren, würde das Gas eben ausperlen - und man hätte eine Dekoproblematik.

Da man aber mit Tauchgängen von bis zu 10 m keine Adepten fangen kann - die Tiefe taucht praktisch jeder auch per Apnoe - hat man sich was ganz besonderes einfallen lassen - die Nullzeit! Man hat einfach gesagt: Um zurückzukehren braucht man i.A. ja auch Zeit - und während dieser Zeit entsättigt der Körper bereits.

Kehrt man also langsam zur Oberfläche zurück, so entfernt sich ggf. soviel Gas symptomlos aus dem Körper, dass es eben nicht zu der Blasenbildung kommt. Nun ist physikalisch das Lösen von Gasen nicht nur eine Funktion der Tiefe - sondern auch eine der Zeit. Der wirkliche Zusammenhang ist komplex - und ich empfehle Peter Rachows Homepage für weiterführende Infos zur Dekotheorie - oder den Ehm oder andere gute Quellen - aber vereinfachend gesagt hat man folgenden Effekt:

Der Körper, wenn er auf größeren Druck verbracht wird, braucht eine gewisse Zeit, um sich völlig aufzusättigen. Diese Zeit liegt gewebespezifisch im Bereich von einigen Minuten bis einigen (mehreren) Stunden. Und natürlich lässt sich nun eine Konstellation finden, bei der der Körper gerade soweit aufgesättigt ist, dass man durch moderaten Aufstieg diese Sättigung wieder symptomlos (also ohne Ausperlen) wegbekommt. Diese Zeit nennen dann gewisse Strategen Nullzeit. Das heißt: Solche TGs, die in dieser Nullzeit liegen, haben durch entsprechend langsame (vom RDP oder anderen Tabellen oder Computer vorgegebenen) Aufstiege genügend Zeit symptomlos zu dekomprimieren.

Das Problem - und das allgemeine Unwissen nach PADI oder PAID - ist nun, dass der Betreffende beim Durchschuss (ungebremster Aufstieg bis ganz nach oben) sehr wohl DCS erleiden kann - weil er einfach über der physikalisch/physiologisch vorgegebenen Grenze taucht. Deswegen bezeichne ich den Terminus "Nullzeit" und die damit verbundene PADI (und PAID) Lehre als Volksverdummung.

Das irrwitzige an dieser Nullzeitgeschichte ist nun, dass die oben skizzierte Lehre kontraproduktives Verhalten fördert (was ich für verantwortungslos halte). Der Uninformierte denkt: Nullzeit - da bin ich sicher. Wegen mangelnder Ausbildung und ungenügendem Training zur Problembewältigung schießt er durch (er kann ja wg. Nullzeit jederzeit zurück, denkt er) und bekommt genau das was er vermeiden wollte: DCS.

DCS ist so ziemlich das Übelste was man sich beim Tauchen holen kann. Manchmal ist es tödlich - manchmal hinterlässt es irreversible Schäden - manchmal geht's auch gut aus. In jedem Fall ist es eine große Sauerei.
Nur das Wissen um die Zusammenhänge kann einen Taucher davor bewahren, eine DCS zu bekommen. Nur wenn der Taucher versteht, dass die Aufstiegsgeschwindigkeit das Problem ist - nicht die Tiefe - nicht die Zeit (wenn auch eher als die Tiefe), nur dann wird er anfangen so zu tauchen, dass er das DCS-Risiko minimiert.

Ein guter Taucher hat Respekt vor der Oberfläche - er weiß, dass zwischen ihm und der Oberfläche die Gefahr der DCS lauert - und wird nur im allerextremsten Notfall und als allerletzte Möglichkeit den vermeintlich rettenden Weg nach oben suchen. Ein guter Taucher weiß auch, dass er immer und jederzeit der Kompression und der Dekompression unterliegt. Zwangsläufig, daran ändern auch PADI et al nichts.

Der Terminus "Nullzeit" ist ein Märchen. Die Art wie er in der heutigen Ausbildung verwendet wird, ist oft verharmlosend und falsch. Jeder Tauchgang, der tiefer als etwa 10 m führt, ist nach physikalischen/physiologischen Gegebenheiten ein Dekotauchgang!

Last modified: 01.11.2016